Donnerstag, 28. August 2008

Ein Ausflug in die 90er

Ein weiteres fröhliches Hallo aus der Waschküche! Wenn ich den Kerl finde, der jeden Tag irgendwo in Hong Kong die Badezimmertür offen lässt, so dass es hier so heiß und schwül ist...

Aber wat sollet, besser als 10 Grad und Dauerregen. Ansonsten ist soweit alles bestens hier. Wir haben seit gestern Orientation Days, die morgen mit einer ganztägigen Stadtrundfahrt gekrönt werden. Ansonsten verfliegt die Zeit ziemlich schnell mit allerlei Administrativem und durchaus auch dem ein oder anderen Hopfenkaltgetränk abends.

Seit gestern habe ich auch einen Mitbewohner. Nachdem ich ja die ersten Tage alleine war, hatte ich schon Befürchtungen einen Nicht-englisch-sprechenden-auf-dem-Zimmer-kochenden-und-musizierenden-Festland-Chinesen oder dergleichen abzukriegen. Doch gestern abend stand plötzlich Martin aus Schweden in der Tür. (Hast du den hergeschickt, Linki? Willst du einen Hong Kong-Chinesen als Austausch?) Wir verstehen uns soweit prima und ich denke wir werden noch ne Menge Spaß zusammmen haben.

Da es wie gesagt nicht so viel zu erzählen gibt, dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit, um euch kurz zu zeigen, was ich leider dieses Mal nicht mehr erleben durfte:

1997 sind wir noch dort gelandet - 1998 wurde der legendäre Hong Kong Kai Tak Airport vom neuen Chep Lap Kok abgelöst. Das Wort legendär ist hier insofern angebracht, dass Hong Kong aufgrund seiner Geographie, die ich ja bereits angesprochen hatte, mit einem Flughafen ausgestattet war, der auch für erfahrene Piloten weit über das Alltägliche hinausging. Zentrale Bedeutung dabei hatte das "Checkerboard", ein rot-weißes Riesenschachbrett auf einem Berg, auf das die anfliegenden Maschinen konsequent Kurs halten mussten... (Wikipedia kann besser weiter machen)
...Der Pilot musste zuerst gemäß Gleitpfad- und Landekurssender den Sportpark nahe des Checkerboards anfliegen und nach Erreichen des Haupteinflugzeichens (MM) eine Rechtskurve einleiten, um auf Landerichtung zu kommen. Nach Ausleiten der Kurve hatte er nur wenige Sekunden Zeit, das Flugzeug für die Landung zu stabilisieren. Eine zu späte Landung, beziehungsweise ein zu weites Ausschweben hinter der Landeschwelle, war aus zwei Gründen gefährlich: erstens endete die Landebahn im Wasser, zweitens gehörten extreme Seitenwindböen zum Alltag; von ihnen wurden Flugzeuge oftmals, kurz vor dem Aufsetzen, von der Bahnmitte geschoben. Gleichsam musste wegen der Nähe zur Stadt ein zu frühes Aufsetzen vermieden werden; das Aufsetzen vor der weißen Schwellenmarkierung wurde zudem mit einem Bußgeld belegt.

Aber seht selbst...



Zusammenfassend gesagt also 3 Seiten Wasser + 1 Seite Hochhäuser + Berge und Seitenwind = eine Menge Spaß. Aber das war wie gesagt einmal - die Landung in Chep Lap Kok ist wie jeder andere Flughafen dieser Welt auch - schade drum!

Stimmung: Many things to do...
Wetter: SUPER! :)
Gesamtlage: Alles wird.

Lg Der HaKaHa

Dienstag, 26. August 2008

Da isser da, der HaKaHa...

...was übrigens entgegen so mancher Vermutungen nichts anderes als HongKongHesse heißen soll (um damit ma gleich zu Beginn aufzuräumen.)

Tjoa, gestern morgen gegen 11 (ca. 5 Uhr deutscher Zeit) bin ich hier bei gefühlten 58 Grad und 687% Luftfeuchtigkeit angekommen - "But you're lucky: It's not so hot today!". Und da am Freitag hier noch ein Taifun der Stärke 9 vorbeirauschte, bei dem sogar der Flughafen geschlossen wurde, sollte man echt nicht meckern.



Nachdem wir von Studentenbotschaftern unserer Uni abgeholt wurden, ging der Rest des Tages auch ziemlich schnell und unspektakulär mit Administrativem und Einkaufen vorbei.

Ich wohne übrigens im unieigenen Studentenwohnheim und teile mir ein Zimmer mit einem zweiten Austauschstudenten, der hier bisher aber nicht aufgetaucht ist. Über mein zu Hause für die nächsten Monate kann man absolut nicht meckern: Alles neu und top sauber und wir haben sogar einen kleinen Kühlschrank und die obligatorische Klimaanlage auf dem Zimmer (ohne die es hier aber auch nicht auszuhalten wäre).



Natürlich ist das Ganze zwar etwas klein, aber das ist ein generelles Hong Kong-Problem. Wenn hier eins wirklich Mangelware war und ist, dann ist es Platz. Da HK zum Großteil aus steilen Bergen und Meer besteht (auf beidem baut es sich bekanntlich nicht ganz so toll), sind große Wohnungen bzw. Hotelzimmer ziemlich unbezahlbar und es ist einfach rentabler weit in die Höhe statt flach zu bauen - und schwupp: schon hat man eine Knaller-Skyline. ;-)



Gestern abend waren dann ca. 25 der bereits angekommenen bunt gemischten Internationalen aus Singapur, Korea, Japan, Norwegen, USA, Italien, Frankreich, GB, Deutschland und noch vielen Ländern mehr zusammen essen und ein erstes Mal an der Waterfront, um sich von besagter Skyline berauschen zu lassen. Heute kommt nochmal ein ganzer Schwung an, so dass insgesamt angeblich knapp 200 Exchange-Students hier zusammenkommen sollen dieses Semester - von denen sind allerdings viele auch Festlandchinesen..

Heute morgen war ich dann zum ersten Mal in unserer Einkaufs-Partner-Firma hier, in der ich in den nächsten Monaten (wenn alles klappt) nebenbei arbeiten werde. Da waren soweit alle supernett und sehr locker drauf und ich freu mich drauf, wenn's endlich losgehen kann. Das hängt noch etwas von der Uni und der HK Immigration ab und dauert wohl noch ein paar Tage, aber ich denke mal es sollte alles klappen.

So, genug erzählt... Ein paar erste Fotoversuche gibts auch schon, zu denen ihr über den Link rechts kommt.

Also denn!

Stimmung: Aufbruch
Wetter: AufbrAuch
Gesamtlage: Alles gut.

Der HakaHa

Samstag, 23. August 2008

"Auuuuusscheider!"

Wer diesen Ruf schonmal rufen durfte, erinnert sich bestimmt an das großartige Gefühl dabei.

Ungefähr genau so erging es mir heute als ich nach monatelangen Kämpfen, einer durchgemachten Nacht und mysterlösen Problemen in der Druckerei endlich meine Diplomarbeit im Prüfungsamt auf den Tisch legen konnte. Jetzt kann HK kommen! :-)

Montag, 18. August 2008

Metamorphosis

Da ist es soweit: Aus Kölsch oder Wodka wird Ebbelwoi oder Reisschnaps (oder so ;-)...


Der Hongkonghesse zieht am Sonntag Abend für vier Monate Richtung Fernost los und wird euch an dieser Stelle immer brav und fleißig über seine Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Zur Zeit ist er noch etwas im Stress, weil irgendwer der Meinung ist, dass er ja unbedingt eine Diplomarbeit für sein Studium braucht und diese daher noch bis Ende der Woche abgeben muss (unverständlich). Aber langsam steigt die Vorfreude (verständlicher)...

Um der Tradition treu zu bleiben, möchte ich euch auch dieses mal wieder einen kleinen Vorgeschmack durch ein handverlesenes, selbst geklautes Video geben.




So long,

Der HaKaHa

PS: Keine Angst Flo, wir essen nix vom Markt... :-)

Freitag, 11. Juli 2008

Goin' home...

Kerle... Da war aber mal eine lange Zeit Stille hier jetzt. Aber dieses mal hab ich wenigstens eine richtig richtig gute Ausrede: Diese (/$§/(%&/)- Diplomarbeit!! Die letzten Wochen habe ich leider nicht sehr viele andere Dinge gemacht außer mich mit selbiger zu beschäftigen. Wäre jetzt etwas schwach zu erzählen, dass dazwischen nicht mal 45 Minuten für nen Post blieben - aber wenn man den ganzen Tag damit verbringt zu formulieren, ist das nicht unbedingt das allererste was einem in einer Pause einfällt. ;-)

Einmal mehr ein dickes Sorry an diejenigen, die hier öfter geschaut haben - ich gelobe Besserung für Hong Kong ab September!

Diese Zeilen schreibe ich euch übrigens schon wieder aus Deutschland. Vorgestern Nachmittag um 15:50 Uhr habe ich mit Flug BA883 ukrainischen Boden verlassen und bin mit einer kurzen Stippvisite in London wieder in Frankfurt angekommen. Sagte ich London? Dem geneigten Leser mit der 3+ in Erdkunde fällt an dieser Stelle auf, dass das ja nun nicht unbedingt der direkteste Weg war - um genau zu sein bin ich sogar direkt über Frankfurt UND Köln geflogen, aber so schnell gehts eben, wenn man in einer globalisierten Welt für kleines Geld und mit viel Gepäck nach Hause will... Und nochmal: Sagte ich London? Heathrow? Neues Terminal? Gepäckprobleme??? "Alles lang vorbei..." könnte mir besagter Leser wieder antworten - aber ich bin vorgestern abend eines besseren belehrt worden. Die Geschichte erspar ich euch - es ging alles nochmal gut, mein Koffer ist seit gestern hier und alle Klamotten gewaschen für den nächsten Step Reise. (Danke dafür! :-)

Was für ein Fazit zieht man jetzt aus einer so langen und gleichzeitig doch so kurzen Zeit in der Ferne? Ich muss sagen - ein positives! In den letzten drei Monaten habe ich sehr sehr viele extrem intensive Erfahrungen machen dürfen - sowohl positive wie auch negative. Und rückblickend bereue ich keine einzige...

Ich habe einen Einblick in ein Land bekommen, das nach Russland mit Abstand das größte auf dem europäischen Kontinent ist. Ich habe seine Hauptstadt kennen lernen dürfen, die sich im Vergleich mit vielen Metropolen der Welt absolut nicht zu verstecken braucht (und 1-2 hab ich ja doch schon gesehen...). Eine Stadt, deren Zentrum einfach nur wunderschön und immer voller Leben ist und die mit Sicherheit die grünste Großstadt ist, die ich je gesehen habe - und die trotzdem (genau wie das Land in dem sie sich befindet) in unserer westlich begrenzten Wahrnehmung einfach ausgeblendet scheint - genau wie alles andere, was sich hinter diesem eisern-bleiernen Vorhang in den Köpfen immer noch verstecken mag. Schade drum...




Ich habe Bekanntschaft mit einem Land gemacht, das sich auf einer ständigen Suche nach sich selbst zu befinden scheint. Politisch eingeklemmt. Zwischen dem großen Bruder Russland, der doch irgendwie in den letzten Jahren sehr fremd geworden ist - diesem aber wie in einer Zweckehe nach wie vor noch sehr verbunden in der Angst vor der großen Leere DANACH. Und "dem" Westen, dem vermeintlichen Fortschritt, der NATO und der EU, Zugängen zu westlichen Grenzen und Märkten und einer damit verbundenen Abkehr vom großen Bruder.




Gesellschaftlich und kulturell verzweifelt bestrebt, alles russische oder sogar sowjetische möglichst schnell von sich abzustreifen und manchmal fast etwas erschrocken auf der Suche nach etwas, das nach diesem Striptease dann noch als wirklich UKRAINISCH übrig bleibt, was dann aber mit einem Stolz gefeiert und zelebriert wird, der seines gleichen sucht.

Dankbar alles westliche annehmend, dass dieses Vakuum zumindest oberflächlich zu füllen vermag, so dass man zu keiner Uhrzeit und an keinem Ort befürchten braucht, ein Bedürfnis nach McDonalds oder einem Produkt aus dem Sortiment der Coca Cola Company könnte unerfüllt bleiben. So dankbar, dass man in großen Einkaufszentren mit allen großen Modenamen, die wir kennen, auf der Suche nach Souvenirs zwar Fußballtrikots aus Portugal, Schweden, Italien, Brasilien oder Deutschland findet, bei der Frage nach dem ukrainischen Pendant aber nur müde angelächelt wird, um dann in der U-Bahn fündig zu werden.

Ein Land, immer noch gelähmt durch korrupte Strukturen, die im Hintergrund geführt werden von "Männern, die ihr schwarz verdientes Geld in große schwarze Autos mit schwarz getönten Scheiben, schwarze Anzüge, schwarzen Kaviar und schwarzhaarige Frauen investieren und ihre schwarzen Seelen beim Urlaub am schwarzen Meer erholen." (Danke für dieses wunderbare Zitat Vera! :-) In all seiner Instabilität jedoch mit einer jungen Demokratie bestückt, die zwar Neuwahlen im Monatsrhythmus und hitzige (teilweise handgreifliche) Debatten in den Parlamenten produziert, aber wenigstens noch zu LEBEN scheint.

Wirtschaftlich im ständigen Kampf gegen eine galoppierende Inflation, die im letzten Jahr nur knapp weniger als 20% betrug und auch dieses Jahr wohl noch zweistellig bleiben wird. Erstarkend durch noch schneller ansteigende Löhne, die jedoch hauptsächlich in den großen Städten die Bevölkerung erreichen. Ein Land... Dunkle Wolken am Horizont beobachtend mit Blick auf die Überalterung seiner Bevölkerung - bis 2050 wird die Ukraine EIN DRITTEL ihrer Bevölkerung verloren haben. Und schon heute erhält ein Rentner nicht mehr als einen zweistelligen Eurobetrag im Monat, um davon zu leben - bei Lebensmittelpreisen die gerade in Kiew den unseren in vielen Bereichen um nichts nachstehen. Ein Land, in dem sich viele Menschen keine Krankenversicherung leisten können, in dem einen herzerweichende Spendenaufrufe von Kollegen im Büro erreichen, um die Reha für die 5jährigen Tochter einer Bekannten zu bezahlen, auf die ein Metallregal zusammengestürzt ist. Worum bitte machen WIR uns hier eigentlich sorgen??? Wie klein sind unsere Probleme?




Ich habe einen Schlag Menschen kennen gelernt, für den Gastfreundschaft das allerhöchste Gebot zu sein scheint - egal ob es sich hierbei, um Kollegen, meine Mitbewohner aus Odessa oder einfach auch nur VÖLLIG FREMDE gehandelt hat. Sobald irgendwer das gebrochene Russisch aus meinem Mund gehört hat, wurde ich behandelt wie ein uralter Freund, den man nur am Anfang gerade nicht wieder erkannt hat. Menschen, die keine Sekunde darüber nachdenken, zu geben oder abwägen, was sie dafür zurückbekommen könnten. Selbst meine Mitbewohner, deren Gehalt ich im Rahmen meiner Arbeit zu sehen bekam, wollten es sich nicht nehmen lassen, mir unbedingt ein Abschiedsgeschenk zu kaufen und mich noch ein letztes mal zum Essen einzuladen...




Kurzum gesagt: Das Leben hatte die letzten 3 Monate viele kalte Duschen für mich parat, die ich vielleicht auch etwas zu sehr aus diesem Blog rausgehalten habe, wer weiß... - aber auch eben so viele unglaublich bewegende und prägende Momente, dass ich diese 84 Tage Ukraine um keinen Preis missen möchte.

Wer auch immer jetzt neugierig geworden sein sollte - ich stehe als Reiseleiter gerne zur Verfügung!

Jetzt verabschiede ich mich von dieser Stelle erstmal etwas länger in den Süden Amerikas. Ich habe mir ehrlich noch keine Gedanken gemacht, wann es hier den nächsten Post zu lesen gibt....

Am 01.08. komme ich nach good ol' Germany zurück, um meine Diplomarbeit endlich abzuschließen und mich dann Ende des Monats nach Hong Kong aufzumachen - spätestens dann gibt es hier wieder regelmäßiger ein Blog-Leben!

Bis dahin vielen Dank an alle, die sich noch die Mühe gemacht haben bis heute hier zu schauen und mitzulesen und Do Swidanija Kiew! "Bis zum Wiedersehen!!"

Samstag, 14. Juni 2008

"Einfach nur... GRÜN!" oder "Der Weg ist das Ziel"

Hallo zurück aus Kiew...

Wie im letzten Post geschrieben war ich diese Woche ja 2 Tage bei unserem Umbau in Dnipropetrowsk (siehe Link zur Bildergalerie rechts). Den Namen dieser Stadt kriege ich inzwischen ohne schmerzhafte Verknotungen in der Zunge fließend hin, während ich mich bei unserm Markt in Dniprodserzhinsk noch etwas schwerer tue. :-)

Dnipropetrowsk liegt knapp 500km südöstlich von Kiew am Unterlauf des Dnepr, der in dieser Region eigentlich durch Aufstauen mehr ein einziger riesiger See als ein Fluss ist, und ist mit über 1 Mio. Einwohnern die 3.größte Stadt der Ukraine (nach Kiew und Kharkov).



Am Mittwoch morgen hatte ich also meinen Platz auf dem Beifahrersitz unseres Verkaufsleiters Oleg eingenommen und es ging los. Kaum aus Kiew draußen hat man die Millionenstadt auch recht schnell vergessen und es wird einfach nur... grün. Oftmals sieht man kilometerweit nichts anderes als Wiesen und Wälder ohne irgendwo ein Dorf oder auch nur einen Bauernhof erahnen zu können.




Wenn wir anhielten, und gerade kein anderes Auto in der Nähe war, hörte man ... nichts. Selbst das Summen der Bienen erschien einem dann laut - und das ist jetzt nicht als poetisches Gewäsch, sondern einfach nur als Tatsachenbeschreibung zu sehen! :-).

Nach einiger Zeit auf einer größeren Straße ging es dann über eine Landstraße weiter, die ihren Namen wirklich verdient, und wir kamen durch kleinere Bauerndörfer. Hier waren am Wegrand vor jedem Haus abwechselnde Beispiele für die ukrainische agrikulturelle Nutztierhaltung angekettet - Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde standen uns quasi Spalier. Schnell fühlte man sich so ein ganzes Stück in der Zeit zurück versetzt in ein ganz anderes Leben als das unsrige. (was jetzt in keiner Form wertend gemeint sein soll).




Auf der Hälfte der Strecke erinnert einen die größere Stadt Krementschuk wieder daran, dass man im 21. Jahrhundert mit allen seinen Vor- und auch Nachteilen ist. Ansonsten ging es die ganze Zeit so dahin bis sich irgendwann ein irres Panorama auf den Dneprstausee bot, zu dem es dann die letzten Kilometer parallel weiterging.

Obwohl die genannten ca. 470km größtenteils auf eher "romantisch rustikalen Straßen" zurückzulegen waren, brauchten wir für die Strecke nicht mehr als 6 Stunden... Wer mich kennt, weiß auch über meinen ab und an etwas "offensiveren" Fahrstil Bescheid - aber von Oleg könnte man glaube ich immer noch was lernen. Ich habe ja immer noch den Verdacht, dass er irgendwo unter dem Auto eine spezielle Flügelkonstruktion verbaut hat, von der die Formel 1 noch keinen Wind bekommen hat.

Offiziell ist in der Ukraine zwar durchgehend Tempolimit 90, aber falls man das blöderweise gerade einmal vergessen haben SOLLTE, warnt einen der freundliche Gegenverkehr immer bereits frühzeitig vor wartenden polizeilichen Wegelagerern. Und selbst wenn das mal nicht gereicht haben SOLLTE, erzählte mir Oleg, sei es mit einer Geldstrafe von meistens 10-20 Grywna (1,40-2,80 EUR) getan. :-)

So kamen wir gegen Mittag also am Markt an, der nach einem arbeitsreichen Nachmittag, Abend und Morgen dann am Donnerstag Mittag schließlich die Türen wieder öffnen konnte. Längere Umbau-Einzelheiten will ich euch an dieser Stelle ersparen, da es sicherlich nicht alle interessiert - können wir bei Gelegenheit dann gerne persönlich nachholen.




Nachmittags ging es dann zurück gen Heimat mit einem "kleinen" Zwischenstopp bei "Krementshuk-Mjaso" (Mjaso=Fleisch), einem unserer Hauptlieferanten im Fleisch- und Wurst-Bereich. Oleg wollte hier einige neue Produkte verkosten, die für eine Listung in Frage kommen. Ich denke mal er war schon ziemlich lang nicht mehr da, denn nach einem leckeren Mittagessen haben wir (meiner Meinung nach) so ziemlich das gesamte Sortiment der Firma probieren dürfen (er wollte unbedingt wissen, was eine deutsche Zunge dazu sagt - werde ich mich da lang wehren?). Bis auf einige, wenige Ausnahmen (meine werten Eltern wissen sicherlich noch, wovon ich unter anderem Spreche) war auch alles wirklich lecker, so dass ich mir im Stillen vornahm bis Anfang Juli auf keinen Fall mehr etwas zu essen (erfolglos übrigens ;-).

Danach gings dann im Eiltempo heimwärts, wo ich pünktlich zum Beginn von Polen-Österreich eintraf, aber nur noch erschöpft ins Bett fiel. Natürlich nicht ohne mir vorher das deutsche Spiel auf Spiegel Online durchzulesen. :-( Man kann euch aber auch echt keine 5 Minuten alleine lassen!! Aber am Montag bin ich wieder am Fernseher zur Stelle und alles wird gut. Da haben wir nämlich glücklicherweise mal wieder FEIERTAG (Pfingsten).

Ansonsten wird das WE für mich ziemlich (vllt. sogar ausschließlich) arbeitsreich, da die Abreise ja immer näher rückt. Heute abend spielt Paul McCartney gratis auf dem Majdan, was seit Wochen groß im TV und mit Plakaten beworben wird. Habe mich aufgrund des Zeitdrucks dazu entschieden nicht hinzugehen (und weil der gute Paul und/oder die Beatles eh noch nie so mein Fall waren).

Für den interessierten Leser lohnt sich aber bestimmt nachher mal ein Blick und Klick auf die eingebundene Webcam rechts, auch wenn man die Bühne leider nur von hinten sieht - ich denke es wird unbeschreiblich voll werden in der Innenstadt.

Der gerade einsetzende Gewitterregen scheint mich übrigens in meiner Entscheidung zu bestätigen... Schade für alle Beatles-Fans - seit 2 Wochen war Hochsommer! Gut für mich, die Temperatur in meiner Wohnung und mein Gewissen.... :-)

Dienstag, 10. Juni 2008

Home, sweet Home

Ein herzliches, abendliches Hallo!

Nachdem es jetzt schon über eine Woche her ist, dachte ich mir es wird mal Zeit euch von der Neuigkeit Nr. 1 zu erzählen: Ich bin umgezogen! Aber immer der Reihe nach und schön ganz von vorne...

Die ersten 1,5 Monate meines ukrainischen Lebens hatte ich ja in unserer Marktwohnung zusammen mit den freundlichen "zarten Metzgern" Ruslan & Ruslan verbracht (mmmh... alle, für die das jetzt leicht "rosa" klang googeln bitte an dieser Stelle mal "Badesalz Zarte Metzger" - nicht, dass hier Gerüchte entstehen ;-).

Das war soweit auch alles super und es gab immer zu Essen und zu Lachen (und von beidem reichlich). Nebenbei konnte ich auch abends Russisch üben und die beiden sind mir echt ans Herz gewachsen. Der etwas "Beleibtere" (Kölsch-oder-Wodka berichtete) war sogar die letzten Wochen schwerst motiviert abends mit mir joggen - Hut ab, ein Riesenehrgeiz der Mann.

Nur kam dann noch ein Dritter mit in die Runde (der auch supernett usw war). Plus den Gästen, die ab und an mal ein paar Nächte in der Wohnung Unterschlupf suchten, führte das dann dazu, dass wir zeitweise zu 6. dort genächtigt haben (4 Betten, 1 Couch, 1 Sofa). Wär auch alles kein Problem gewesen, aber ich dachte mir dann: Wenn du irgendwann mal deine Diplomarbeit zu Papier bringen willst, solltest du doch mal nach was eigenem schaun. :-)

Gesagt getan... Und aufgrund eines glücklichen Zufalls, der eigentlich schon wieder nen eigenen Post wert ist, und einer sehr, sehr freundlichen Bekannten, kam es dann dazu, dass ich seit letztem Sonntag für den Rest der Zeit eine schöne, kleine eigene Wohnung habe. Erst war ich ja noch am zögern, ob ich die Jungs im Markt einfach allein lassen soll, aber dann kam genau am Sonntag morgen, der 4. Fleischkünstler an, der jetzt auch länger dort wohnen wird und ich habe mir sagen lassen, ich soll auf die Zeichen achten, die mir geschickt werden (woher eigentlich? ;-). Und wenn das mal keins war... Insofern viel mir die Entscheidung nicht sehr schwer.

Und bereut habe ich sie bisher auch nicht: Alles, was das Herz begehrt, ist hier vor Ort, sogar...festhalten: Eine Waschmaschine!!! Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so diebisch freuen würde, schmutzige Wäsche einfach in die Maschine zu schmeißen, aber glaubt mir: das mit der Handwascherei ist ja schön und gut und war auch vor 100 Jahren sicherlich mal das Nonplusultra der technischen Entwicklung, aber umsonst kam die Menschheit ja nicht auf eine derartige Erfindung!

Einen Leidensgenossen in Bezug auf diese Ansicht habe ich übrigens auch gefunden. Bei meinen manuellen Sauberkeitsbemühungen in der alten Wohnung habe ich traditionell immer ein Stück von der Hörbuch-Version von Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" gehört (Danke, Lutz!). Dabei wäre ich dann beinahe prustend in die Wanne mit meinen schwimmenden Socken gefallen als er sinngemäß zum entnervten Schluss kam "Mein allabendliches Abrackern mit der Handwäsche in allen Ehren, aber ich habe das Gefühl, dass meine Wäsche nie richtig sauber wird. Ein ordentlicher Vollwaschgang mit anschließender Schleuderfunktion ist eben durch nichts zu ersetzen." Recht haste, Hape!

Aber ich schweife ab... Die Wohnung ist wie gesagt prima und liegt im Staddteil Rusanovka - wobei Stadtteil zu wenig gesagt ist, denn Rusanowka ist von einem Seitenarm des Dneprs und einem Kanal komplett mit Wasser umschlossen und darf sich somit offiziell "Insel" nennen. Auch wenn man durch den Kanal wahrscheinlich durchwaten könnte, finde ich diesen Titel mehr als angebracht: Hier ist alles wunderbar grün, vor meinem Fenster gibt es an jedem Wochenende einige Riesenfontänen zu bestaunen und man kann bequem am Kanal entlang einmal um die Insel joggen. Hier noch ein paar Fotos von Rusanovka - aber auch bei meinen gibt es schon einige wenige zu bestaunen.

So, jetzt habe ich aber erstmal genug Text abgesondert... Morgen gehts bis Freitag Mittag nach Dnipropetrowsk mit unserem Vertriebsleiter. Freu mich schon sehr drauf, mal was anderes von der Ukraine zu sehen. Denn Kiew ist halt doch in allen Belangen anders als der Rest des Landes, soweit ich das bisher beurteilen kann.

Also denn... Davon gibts dann sicher auch wieder einiges zu berichten. Bis dahin noch einen schönen Abend allerseits und bis die Tage!


Aber zum Abschluss noch die obligatorische EM-Frage: Ich hab das große Glück, dass das ukrainische Erste tatsächlich alle Spiele live überträgt und ich somit am Sonntag die Deutschen sehen konnte (wenn auch mit ukrainischem Kommentar - aber wen interessiert's). Nur was mich schon am 4. Spieltag tierisch nervt: Kommen bei euch auch in jeder Halbzeit diese saublöden EM-Maskottchen in einem noch saublöderen animierten Video, das das gesamte saublödeste EM-Lied von Shaggy lang läuft? Oder ist das eine Spezialität des ukrainischen Fernsehens, das andauernd zu zeigen?

So oder so - derjenige, der die Idee hatte, möge sich bitte in Kürze hier melden! :-)